Der Literaturkurs der Jahrgangsstufe 11 des FBG unter der Leitung von Frau Obenhaus begab sich nach einem Schuljahr Arbeit an zwei Abenden auf die Suche nach einer Antwort auf die Frage, wie aus durchschnittlichen Menschen eine gewaltbereite Masse und wie aus dieser Masse ein verbrecherisches System entstehen kann, welches jene, die sich nicht anpassen wollen oder können, zu kriminalisieren, auszugrenzen und am Ende womöglich auszumerzen bereit ist. Deutlich wird auch, wie der eigentlich durchaus positiv besetzte Begriff „Gemeinschaft“ missbraucht werden kann.
 
Die jungen Akteure der Theatergruppe folgten dem Jugendroman „Die Welle“, in dem Morton Rhue einen Lehrer in seiner Klasse eine Art Laborsituation kreieren lässt, an deren Ende die Schülerinnen und Schüler begreifen sollen, dass ein totalitäres Regime funktioniert, indem es dem einzelnen Gefolgsmann ein kleines Stück seiner absoluten Machtfülle überträgt, dafür aber im Gegenzug seinen Verzicht auf individuelle Selbstbestimmung und Freiheit einfordert und ihn zur Marionette seines „Führers“ degradiert.
 
Es ist festzuhalten, dass das Ensemble des Literaturkurses die ernste Thematik in insgesamt gelungenen Aufführungen präsentierte, wobei die Mischung aus hauptsächlich live gespielten Szenen und gelegentlich einmontierten Filmausschnitten nicht allein die Attraktivität des Dargebotenen erhöhte, sondern auch seine Aussage erweiterte – diese Funktion übernahmen ebenfalls vier Schülerinnen des Kurses, die den Inhalt des Stückes auf einer Metaebene reflektierten und die Zuschauer abschließend mahnten, dass die Aufgabe jedes Einzelnen sei, sich ständig mögliche Gefahren zu vergegenwärtigen, das Handeln und verschiedene Möglichkeiten zu reflektieren und sich der Kraft des eigenen Handelns bewusst zu sein. Aus einer insgesamt äußerst gelungenen Besetzung der einzelnen Rollen ist Josi Wurzel als „Laurie“ besonders herauszuheben, deren Charakter der „Welle“, die auf alle zurollte, fast als einzige Widerstand entgegenzusetzen versucht, sowie Marvin Kralemann als Lehrer „Ben Ross“ und Initiator des Experiments und nicht zuletzt Luca Mirabella, der, im richtigen Leben niemals um Einwände und Widerworte verlegen, in der Rolle des Losers und Außenseiters überzeugte, der zum getreuen Paladin der „Bewegung“ mutiert und so demonstriert, dass gerade ein schwacher Mensch zum willfährigen Werkzeug von Extremisten werden kann. Die von Luca dargestellte Figur „Robert“ repräsentiert weit mehr als alle anderen Charaktere des Stücks jene Massenbasis aus Verlierern, Abgehängten und Gescheiterten, ohne die kein totalitäres Regime und kein noch so charismatischer (Ver-)Führer auskommt.
 
 

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