﻿{"id":653,"date":"2017-02-13T20:58:57","date_gmt":"2017-02-13T19:58:57","guid":{"rendered":"http:\/\/173.212.200.183\/fbg\/?page_id=653"},"modified":"2017-02-13T20:58:57","modified_gmt":"2017-02-13T19:58:57","slug":"die-geschichte-des-fbg","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.fbg.schwerte.de\/fbg\/die-geschichte-des-fbg\/","title":{"rendered":"Die Geschichte des FBG"},"content":{"rendered":"<p><em><strong>Geschrieben von Studienrat W. Klaus , 1948<\/strong><\/em><\/p>\n<p>Die Schule des Mittelalters, die Klosterschule, war in den St\u00fcrmen der Reformation zugrunde ge-gangen und in den meisten F\u00e4llen &#8218;gleichzeitig mit den Kl\u00f6stern verschwunden. Wie Luther in sei-nem Sendbrief 1524 ausf\u00fchrt, war von der geistigen H\u00f6be ihrer Bl\u00fctezeit schon nichts mehr zu sp\u00fc-ren gewesen. Es galt, an&#8216; die Stelle der alten eine neue lebenskr\u00e4ftige Schule zu setzen. Luther, der sich auch auf diesem Gebiete als der berufene F\u00fchrer erwies, hie\u00df das Sendschreiben \u201eAn die Rats-herren aller St\u00e4dte deutschen Landes, da\u00df sie christliche Schulen aufrichten und halten wollen&#8220; hin-ausgehen und fand in vielen St\u00e4dten bereitwilliges Verst\u00e4ndnis. Die Luther-Schule bleibt Gelehrten-schule. Die Unterrichtsf\u00e4cher sind Lateinisch, Deutsch, Geschichte, Mathematik, Musik. Ein neuer Geist und neuer Wert kam in das Schulwesen hinein. Der allgemeine Schulzwang wurde geboren.<\/p>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><a class=\"imagesizer_thumb\" title=\"Geschichte des FBG\" href=\"http:\/\/www.fbg.schwerte.de\/images\/fbg\/Aktuelles\/k-fbg_aktuelles_schule1.jpg\" rel=\"lightbox[id_654]\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"imagesizer_thumb\" title=\"Geschichte des FBG\" src=\"http:\/\/www.fbg.schwerte.de\/cache\/0_96x133_images_fbg_Aktuelles_k-fbg_aktuelles_schule1.jpg\" alt=\"k-fbg aktuelles schule1\" width=\"96\" height=\"133\" \/><\/a><\/td>\n<td><a class=\"imagesizer_thumb\" title=\"Geschichte des FBG\" href=\"http:\/\/www.fbg.schwerte.de\/images\/fbg\/Aktuelles\/k-fbg_aktuelles_schule2.jpg\" rel=\"lightbox[id_654]\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"imagesizer_thumb\" title=\"Geschichte des FBG\" src=\"http:\/\/www.fbg.schwerte.de\/cache\/0_179x133_images_fbg_Aktuelles_k-fbg_aktuelles_schule2.jpg\" alt=\"k-fbg aktuelles schule2\" width=\"179\" height=\"133\" \/><\/a><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>In Schwerte wurde die Reformation im Jahre 1554 eingef\u00fchrt. Professor Feldh\u00fcgel, dessen For-schungen ich meinen Ausf\u00fchrungen weitgehend zugrunde lege, nimmt an, da\u00df seit der Zeit auch in Schwerte eine solche Lateinschule bestanden hat. Die Frage, ob die Schule eine kirchliche oder st\u00e4d-tische Einrichtung war, ist in dem von 1852\u20141854 dauernden Proze\u00df zwischen Kirchengemeinde und Magistrat vom Obertribunal in Berlin zugunsten der letzteren entschieden worden. Aus den Proze\u00dfakten geht hervor, da\u00df seit dem Jahre 1713 die Stelle eines dritten Pfarrers bei der gr\u00f6\u00dferen evangelischen (lutherischen) Gemeinde mit der Stelle eines Rektors bei der dortigen Schule vereinigt wurde, w\u00e4hrend vor dem Jahre beide \u00c4mter nebeneinander bestanden. Bis zu der im Jahre 1849 ein-getretenen Vakanz wurde die Wahl des neuen Inhabers derselben bei stattfindender Erledigung von dem Presbyterium der gr\u00f6\u00dferen evangelischen Gemeinde und dem Magistrate der Stadt Schwerte, und solange die Gilden bestanden, auch von den Vorg\u00e4ngern der Gilden gemeinschaftlich vor-genommen. Das in dieser Art gebildete Wahlkollegium wurde ecclesia repraesentativa genannt.<br \/>\nWo die erste Schule ihr Geb\u00e4ude hatte, wissen wir nicht. Seit 1682 war sie mit der Elementarschule, der sogenannten Teutschen Schule, zusammen in dem damals \u201ean der westlichen Kirchtreppe linker Hand auf dem Kirchhof&#8220; erbauten Schulgeb\u00e4ude; im unteren Stock die Teutsche Schule, im oberen die Lateinische. Auch von dem Besuch der Anstalt liegen keine Zahlen vor; doch k\u00f6nnen wir an-nehmen, da\u00df er bis zum Ausbruch des 30j\u00e4hrigen Krieges, 1618, gut war. Schwerte hatte um 1600 mindestens 2700 Einwohner, und das B\u00fcrgertum war sich damals seiner Bedeutung bewu\u00dft. Aber der 30j\u00e4hiige Krieg hat Schwerte stark zur\u00fcckgeworfen. Was der Krieg verschonte, holte die Pest. 1636 k\u00f6nnen wir mit 500 Einwohnern rechnen. Bis 1719 waren es wieder ganze 799 geworden. Aber wie arm war Schwerte! Mehrere gro\u00dfe Feuersbr\u00fcnste legten es in Schutt und Asche. Was an Geld und Gut erworben war, fra\u00dfen die Einquartierungen der franz\u00f6sischen Truppen auf, die den zu Brandenburg geh\u00f6renden Landesteil durchzogen. In diesen Zeiten wird f\u00fcr die Schule nicht viel \u00fcbrig geblieben sein. Wir k\u00f6nnen sogar damit rechnen, da\u00df sie ihren Betrieb zeitweise ganz einstel-len mu\u00dfte.<br \/>\nEinen Einblick in das Leben der Schule gew\u00e4hren uns die sogenannten Vokationen, die Berufsscheine der 3. Prediger, die f\u00fcr die Rektorstelle vorgesehen waren. Von diesen Berufsscheinen lie-gen aus dem 17. und 18. Jahrhundert mehrere vor. Der \u00e4lteste stammt von 1687. Da wurde als Nachfolger des im September 1685 verstorbenen Rektors Johann Wilhelm Schild aus Soest am 19. 6. 1687 der Kandidat der Theologie Georg K\u00e4mper, auch aus Soest, das sich ja eines bekannten- Archigymnasiums r\u00fchmen konnte, zum 3. Prediger und Rektor ernannt.<br \/>\nEr sollte \u201edie gedachte Lateinschule alhi in qualitaet eines Moderatoris oder Rectoris, dar\u00fcber das plenum dominium, gleichwie dergleichen \u00fcblich und derselben vertraglich ist, wie auch nicht weni-ger auf die untere schuhle die inspection mittgeben, die zur lateinischen sprach denselben zu schi-ckende Jugend und Knaben, nach eines jeden Progressen und Gelegenheit in catechesi, Grammatica und anderen auff die schuhle und zu dieser information geh\u00f6rigen lehren nach dem reglement der benachbahrten Gymnasien wie auch guten Sitten, lesen und schreiben, auch in poesi et graecis (wen ein und andere soweit werde kommen sein) mit Flei\u00df und ohne Vers\u00e4umnis soweit anf\u00fchren, da\u00df dieselbe von hierab valide und wo nicht ad tertiam, dennoch wenigstens mit r\u00fchm ad quartam clas-sem auf den Gymnasien angebracht werden und bestehen k\u00f6nnen.&#8220;<br \/>\nF\u00fcr diese Arbeit erhielt er freie Wohnung, freies Betreiben seines etwa zu haltenden Viehs auf ge-meiner Stadtweide, exemption von allen b\u00fcrgerlichen Lasten (wie die \u00fcbrigen Geistlichen) und au-\u00dfer dem Schulgeld 60 Rthlr. und ein neues Kleid im Werte von 20 Rthlrn.<br \/>\nIn dem Berufsschreiben des Joh. Jakob Glaser aus dem Jahre 1701 ist zu lesen, da\u00df der Unterricht sowohl der lateinischen wie der teutschen Schule im Sommer von 7 bis 10 Uhr, 12 bis 14 Uhr dauer-te, worauf die Sch\u00fcler um 13 Uhr wieder zur Schule kommen und bis zum Abendgebet informiert werden sollten. Im Wintersemester sollte von 8 bis 10 Uhr, 12 bis 15 Uhr \u201etreuflei\u00dfige information&#8220; gehalten werden. Der Rektor sollte der Jugend mit erbaulichem Leben und Wandel vorleuchten und sich der Schuldisziplin mit geb\u00fchrender Bescheidenheit bedienen. In der Kirche sollte der Rektor seinen Platz n\u00e4chst den Herren Predigern haben, um dieihm anvertraute Jugend auch hier in Zucht und Ordnung zu halten. Montags und donnerstags wurden, wie hergebracht, Spieltage veranstaltet, jedoch war der Jugend verboten, \u201enach geendigter zur vakantz verstatteten Zeit sich weiter m\u00fc\u00dfig oder mutwillig finden zu lassn&#8220;. Ostern und Michaelis sollte ein examen publicum abgehalten wer-den, an das sich 14 Tage Ferien anschl\u00f6ssen. Au\u00dferordentliche gelegentliche Pr\u00fcfungen waren dem, der Aufsicht \u00fcber die Schule hatte, gestattet.<br \/>\nNeue Ziele verfolgt schon das Berufungsschreiben f\u00fcr Joh. Wilh. W\u00fclffert von 1754. Da wird auch Unterricht in Rhetorik und Logik, in Poesie und Griechisch verlangt. Die Forderungen der neuen Zeit haben sich offenbar geltend gemacht. Dazu wird erwartet, \u201edass die Sch\u00fcler von hier ab auf gymnasiis ad secundam, gar nach der Universit\u00e4t mit Ruhm angebracht und bestehen k\u00f6nnen.&#8220; Der Rektor sollte morgens und nachmittags je drei Stunden auf dem \u201eordentlichen publiquen Schulhause praecise informieren.&#8220; In den Berufungsschreiben f\u00fcr Karl Joh. Gottfried Wiethaus 1766, Joh. Leop. Wiethaus 1771, Andre\u00e4 1772, gelten dieselben Bestimmungen. Da\u00df man bei der Wahl des Rektors gro\u00dfe Vorsicht walten lie\u00df, verr\u00e4t die Anordnung, da\u00df der Name des neugew\u00e4hlten 3. Predigers \u00f6ffentlich bekanntgegeben und jeder, der gegen dessen Wissenschaft, Leben und Wandel etwas auszusetzen oder zu erinnern h\u00e4tte, aufgefordert wurde, solches geh\u00f6rigen Orts anzuzeigen. Ein gesunder Sinn zeigte sich in dem Bestreben, das Schulgeld niedrig zu halten (2 Thlr. Pro Jahr), \u201eda-mit umso mehr Eltern Veranlassung n\u00e4hmen, ihre Kind zur lateinischen Schule zu schicken.&#8220;<br \/>\nEine Bl\u00fctezeit kann man das Wirken des Rektors und sp\u00e4teren Hofrats B\u00e4hrens nennen. Er unter-hielt von 1789 \u2013 1790 ein Institut f\u00fcr ausw\u00e4rtige Sch\u00fcler und vermehrte den Umfang der F\u00e4cher ganz erheblich. Latein, Franz\u00f6sisch, Griechisch, Hebr\u00e4isch, Zeichnen, Mathematik, Geschichte, Ge-ographie, Naturkunde und sp\u00e4ter noch Kaufmannswissenschaft fanden in seinem Lehrplan Auf-nahme. Er entlie\u00df die Sch\u00fcler direkt zur Universit\u00e4t. (Die am 23. 12. 1788 angeordnete Abiturien-tenpr\u00fcfung ist nach mannigfaltigem Widerst\u00e4nde erst 1812 allgemein allgemein eingef\u00fchrt worden.) Er hielt allj\u00e4hrlich eine \u00f6ffentliche Schlu\u00dfpr\u00fcfung ab, die mit zahlreichen Deklamations\u00fcbungen in der Kirche verbunden waren. Es ist angebracht, auf die T\u00e4tigkeit dieses au\u00dferordentlichen Schul-mannes n\u00e4her einzugehen:<br \/>\n1790 erschien bei F. G. Baedeker, Dortmund, von ihm eine Art Programm der damaligen h\u00f6heren Lehranstalt. Au\u00dfer den Schulnachrichten findet sich dort 1790 eine ausf\u00fchrliche Abhandlung \u201e\u00dcber den Geist unseres Zeitalters&#8220;, 1792 \u201e\u00dcber die fortschreitende Ausbildung des Menschengeschlech-tes.&#8220; Nach seinen Ausf\u00fchrungen sieht er den Zweck der Ausbildung darin, dem jungen Staatsb\u00fcrger den f\u00fcr ihn m\u00f6glichen Grad von Gl\u00fcckseligkeit zu verschaffen, d. h. sein Herz durch Tugend und Religion zu bilden, den Verstand mit Wissenschaften und Kenntnissen aufzukl\u00e4ren und dem K\u00f6rper St\u00e4rke und die n\u00f6tige Geschicklichkeit zu den Gesch\u00e4ften des Lebens zu geben, um auf diesem Wege dahin zu gelangen, sein Dasein mit Freude zu erf\u00fcllen und der Erdentage froh zu werden. Der K\u00f6rper soll durch Bewegung, \u00dcbung in mechanischen Fertigkeiten, M\u00e4\u00dfigkeit in Getr\u00e4nken und Nahrung, Reinlichkeit, Enthaltsamkeit, Ertragung des Frostes und der Hitze gekr\u00e4ftigt werden. Dem Lehrer gibt er folgende Winke: Wer mit gl\u00fccklichem Erfolge die Jugend unterrichten will, der habe sie, soviel wie m\u00f6glich, stets unter seinen Augen, der lese aus ihren Mienen, der \u00fcbe durch Fra-gen die Kraft der Seele, der wisse sich zu seinen Z\u00f6glingen herabzulassen, seine Sprache zu reden, seine Vorstellungen anzunehmen und mit ihnen auf den beabsichtigten Gegenstand fortzugehen, der erwerbe sein Zutrauen und sei Vater der Kleinen. Vorschl\u00e4ge, die auch heute noch ihre volle Bedeu-tung haben. Auf die einzelnen F\u00e4cher angewandt, hei\u00dft es weiter: Es habe den ersten Rang.<br \/>\nDas Deutsche. Es ist nicht wie eine Fremdsprache zu behandeln: sondern man soll praktisch durch Aufs\u00e4tze oder durch Zergliedern der Gedichte seine Gedanken schriftlich ausdr\u00fccken lernen.<br \/>\nIn den Fremdsprachen soll gen\u00fcgende Sprechfertigkeit erreicht werden. Eine gute Warnung vor seelenloser Paukerei gibt er mit dem Satze: \u201eMan lasse den Sch\u00fcler jahrelang deklinieren, konjugie-ren, nennen ihm unverst\u00e4ndliche Regeln, mache ihn glauben, diese oder jene Nation konstruiere so und anders, weil ,es die Regel der Grammatik so befehle, und er bekommt Ekel und Verdru\u00df.&#8220;<br \/>\nF\u00fcr den Unterricht in Religion r\u00e4t er: \u201eMan lese in dem Buche der Natur, welches der Menschen Vater vor aller Augen auftut, um uns seine Macht, Weisheit und G\u00fcte zu versinnlichen, und der lernbegierige Geist genie\u00dft die reinsten Freuden; da ist ihm die Entwicklung des Schmetterlings eine Quelle des Nachdenkens und das Infusionstierchen ein Beweis f\u00fcr das Dasein und die Gr\u00f6\u00dfe Got-tes. In diesem Buche Natur allein sind die kr\u00e4ftigen Mittel wider &#8218;das menschliche Elend.&#8220;<br \/>\nDie Geschichte soll \u201eeinen \u00dcberblick \u00fcber die \u00d6konomie Gottes im Menschengeschlecht, vern\u00fcnf-tiges Raisonnement \u00fcber die Menschen und Folgen der Begebenheiten geben&#8220;. Denkende Geschichtsbetrachtung!<br \/>\nDie Kosmologie soll das N\u00f6tigste aus Naturgeschichte und Naturlehre bringen. \u201eDie Naturlehre benimmt das einf\u00e4ltige Erschrecken vor Donner, sie lehrt die Naturbegebenheiten als n\u00fctzliche Wir-kungen einer gro\u00dfen Maschine kennen, sie beweist, da\u00df Nordlichter, Kometen und Sonnenfinster-nisse kein Unheil bedeuten, da\u00df im fliegenden Drachen der Teufel kein Geld bringt und im Irrlicht keine ungetauften Kinder brennen. Sie lehr h\u00e4uslichen Wohlstand, Befruchtung der \u00c4cker der Na-turprodukte und mit einem Worte den Zusammenhang der Werke Gottes.&#8220;<br \/>\nDie Geographie soll au\u00dfer dem \u00dcblichen \u201einsbesondere die Quellen des Wohlstandes und der Ar-mut der L\u00e4nder lehren. Dadurch wird das Gef\u00fchl f\u00fcr Menschenwohl und Menschenelend erh\u00f6ht, der Verstand auf die Quellen aufmerksam gemacht und der Jugend Achtung f\u00fcr die K\u00fcnste, Manu-fakturen und Gewerbe beigebracht.&#8220;<br \/>\nIm Programm von 1792 wird noch die Kaufmannswissenschaft hinzugenommen, denn \u201edie Schwerter Schule sollte nicht blo\u00df Latein- und Trivialschule sein, sondern vielmehr eine Schule, in welcher der k\u00fcnftige B\u00fcrger, Kaufmann, Gelehrte und das Frauenzimmer n\u00fctzliche Kenntnisse an-sammeln k\u00f6nnte.&#8220;<br \/>\nIn der eigentlichen st\u00e4dtischen Lateinschule wurde von 8 \u2013 10 und von 2 \u2013 4 Uhr in den obligatori-schen F\u00e4chern Religion, Latein, Griechisch, Deutsch, Geschichte, Geographie, Kosmologie gelehrt. Dazu kamen an Privatstunden noch t\u00e4glich 6 Stunden: 7 \u2013 8 Hebr\u00e4isch, 10 \u2013 11 Franz\u00f6sisch, 11 \u2013 12 Rechnen, 1 \u2013 2 Zeichnen, Geometrie, Markscheidekunst, 4 \u2013 6 war M\u00e4dchenschule.<br \/>\nMan wundert sich \u00fcber die Schaffensfreude dieses Mannes und kann seinen Sto\u00dfseufzer wohl ver-stehen, wenn er sagt: \u201eSo musste ich die so n\u00f6tigen Erholungsstunden dem Aufenthalte in meiner mir ans Herz gewachsenen Schule opfern.&#8220; Hier ist eine Bemerkung angebracht, die Landgerichtsrat Maag in der Heimatbeilage der Schwerter Zeitung in seinem Aufsatz \u00fcber Hofrat Dr. B\u00e4hrens macht: \u201eDie Stadt Schwerte kann dem K\u00f6nige nur dankbar sein, da\u00df er ihr einen solchen Pastor schickte. Es ist erstaunlich, da\u00df ein geistig so hochstehender Mann sich dann sein ganzes Leben lang mit den geringen Anregungen einer kleinen Ackerstadt begn\u00fcgte (1818 hatte Schwerte noch erst 1550 Einwohner); ebenso erstaunlich ist es, da\u00df er seine umfangreiche T\u00e4tigkeit f\u00fcr Kirche und Schule sowie seine gro\u00dfen Verdienste um seine Mitb\u00fcrger, seine reichen Kenntnisse und F\u00e4higkeiten mit nur 120 Talern j\u00e4hrlich (gleich 30 Mark monatlich) bewerten lie\u00df.<br \/>\nNach der von B\u00e4hrens eingef\u00fchrten monatlichen Zensur bekamen die Sch\u00fcler einen Platz im golde-nen, wei\u00dfen oder schwarzen Buche. Die in den beiden ersten B\u00fcchern verzeichneten Sch\u00fcler erhiel-ten n\u00fctzliche B\u00fccher als Pr\u00e4mien. Am Schl\u00fcsse jedes Semesters fand eine \u00f6ffentliche Pr\u00fcfung statt. Am Nachmittag hatte die Schwerter Bev\u00f6lkerung Gelegenheit, dem gro\u00dfen Redeaktus in der Kirche beizuwohnen. In der Heimatbeilage der Schwerter Zeitung vom 5. Mai 1939 ist das Programm zu ersehen, nach dem \u201eunter abwechselnder Musik&#8220; die 26 Redner sich ihres Auftrages entledigten. Da spricht Joh. Franz R\u00f6ber \u00fcber Salomons sch\u00f6nste Tugendlehre, Daniel R\u00f6ber \u00fcber den Neid, Georg R\u00f6ber beweist da\u00df es besser sei, geliebt zu werden als gef\u00fcrchtet, Wilh. Wucke behandelt die Ewig-keit, Daniel Wucke den Wert echter deutscher Ehrlichkeit und ihre Freuden, Friedrich Doert spricht \u00fcber den Wert der Erholung nach Senekas ,,de tranquillitate animi&#8220;, cap. 15, Gottfried Hengsten-berg aus Ergste von der weisen Benutzung der Zeit, Friedrich Haver beschreibt den Charakter des Diogenes von Sinope, Johanna Haver unterredet sich mit einer Iserlohnerin \u00fcber Sappho, Gisbert Haver empfiehlt den Wert der Sparsamkeit, Luise Wiegmann und Isabella Brauckhoff beantworten in einem Gespr\u00e4ch die Frage \u201eWas hei\u00dft liebensw\u00fcrdig?&#8220; Selbst so zeitgem\u00e4\u00dfe Themen wie die Franz\u00f6sische Revolution (1792!) wurden behandelt. Welchen Ruf diese Anstalt gehabt haben mu\u00df, geht aus der Tatsache hervor, da\u00df zwei der Redner aus Altena, einer aus Essen, einer aus. Hagen, einer aus Halver, zwei aus Iserlohn, drei aus Kierspe, einer aus L\u00fcdenscheid, einer aus Werden, einer aus Werdohl, einer aus Wetter stammten. Obwohl sich die Einwohnerzahl Schwertes bis 1797 auf 1166 erh\u00f6ht hatte, bestand dieses Institut nur von 1789 bis 1800, wie B\u00e4hrens selbst sagt. Es ist schade, da\u00df er uns nichts \u00fcber die Gr\u00fcnde dieses fr\u00fchen Endes mitteilt. Wer die Schwerter Verh\u00e4lt-nisse auf kulturellem Gebiet kennt, kommt zu allerhand tr\u00fcben Vermutungen.<br \/>\nDie n\u00e4chste Entwicklung der Schwerter h\u00f6heren Stadtschule bietet kein erfreuliches Bild. Verge-genw\u00e4rtige man sich die Zeit: Unruhe durch die Franz\u00f6sische Revolution, Zusammenbruch Preu\u00dfens 1806\/07, Franzosenherrschaft, Befreiungskriege, Armut und Elend der Nachkriegsjahre, Dumpfheit und Enge der damaligen B\u00fcrgerlichkeit; man findet schon Gr\u00fcnde genug f\u00fcr dieses wenig erfreuli-che Bild. In der Franzosenzeit kam Schwerte zum. Gro\u00dfherzogtum Berg, Arrondissement Dort-mund, Kanton Horde. Bei der durch Napoleon am 17. 12. 1811 erfolgten Reorganisation des \u00f6f-fentlichen Unterrichts im Gro\u00dfherzogtum Berg scheint Schwerte nur eine sogenannte Prim\u00e4r- oder Elementarschule erhalten zu haben. Von einer Rektorat- oder Lateinschule ist keine Rede mehr.<br \/>\nNach den Freiheitskriegen wurde 1821 beschlossen, da\u00df s\u00e4mtliche Sch\u00fcler der Stadt in eine ge-meinschaftliche Schulanstalt von drei Klassen vereinigt werden sollten. Die Rektoratschule, die lu-therische und reformierte Elementarschule sollten eine verbundene Anstalt bilden. Die 1. Klasse, geleitet von einem wissenschaftlichen Rektor, sollte nur solche Sch\u00fcler aufnehmen, die in den bei-den Elementarklassen die erforderliche Vor\u00fcbung und Reife zur Versetzung erreicht hatten und nun eine h\u00f6here Bildung erhalten sollten. \u00dcber Ziel und Art des Unterrichts ist aus dieser Zeit nichts bekannt. D\u00abi Plan ist nicht ausgef\u00fchrt worden, weil sich in der gr\u00f6\u00dferen evangelischen Gemeinde lebhafter Widerspruch gegen die Verbindung der Rektorat- und Elementarschule erhob, Gegen den Beschlu\u00df besetzte 1829 die lutherische Gemeinde das Rektorat in der alten Weise. Rektor ist 1829 \u2013 33 Pastor Sch\u00fctte, 1835 \u2013 48 Pastor Gr\u00e4ve, 1851 \u2013 53 Pastor Wehberg, dieser der letzte Inhaber der vereinigten 3. Pfarr- und Rektorstelle. Die Schule war anfangs schwach besucht, hatte 1837\/38 bei etwa 1900 Einwohnern nur 10 bis 14 Sch\u00fcler, hob sich aber, als die Pfarrer Sch\u00fctte und Niep-mann sich beteiligten und ausw\u00e4rtige Z\u00f6glinge unter gewissen Bedingungen aufnahmen. Die Sch\u00fc-ler sollten eine Vorbildung erhalten, die zur Aufnahme in Tertia des Gymnasiums bef\u00e4higte.<\/p>\n<p>1842 waren es schon 52 Sch\u00fcler, 54 im Jahre 1843, 50 zwei Jahre sp\u00e4ter. Der amtliche Bericht vom 27. 11. 1847 besagt: \u201eDie hiesige Rektoratsschule erfreut sich eines guten Gedeihens. Es sind jetzt 70 Sch\u00fcler vorhanden, davon 55 Ausw\u00e4rtige. Eltern, welche Kinder hier gehabt haben, sind ganz zu-frieden mit ihren Fortschritten, weshalb dieselben ihre j\u00fcngeren Kinder wieder herschicken.&#8220; Das auffallende Verh\u00e4ltnis von 55 Ausw\u00e4rtigen zu 15 Einheimischen gibt zu denken und wirft kein gutes Licht auf den Bildungsdrang der Schwerter. 1849 wird denn auch die Klage ausgesprochen, da\u00df die Bewohner das Bestehen dieses Instituts nicht f\u00f6rdern, und infolge der \u201eRemonstration wegen unbedeutender Kostenverwendung f\u00fcr die Schule k\u00f6nne es leicht zur Aufl\u00f6sung dieses bl\u00fchenden Instituts kommen.&#8220;<\/p>\n<p>Am 14. 9. 1848 erteilte die Kgl. Regierung zu Arnsberg den Pfarrern Sch\u00fctte und Niepmann sowie Lehrer Weigerber die Konzession zur Errichtung einer h\u00f6heren Privaterzie-hungs- und Unterrichtsanstalt, die aber selbst\u00e4ndig neben die Rektoratsschule trat. Durch Vertrag vom 24. 8. 1852 wurden beide wieder vereinigt. 1849 entstand Streit zwischen Magistrat und Pres-byterium der lutherischen Gemeinde hinsichtlich der Wiederbesetzung der vakanten 3. Pfarr- und Rektorstelle. Der Magistrat nahm das Recht in Anspruch, bei der Wahl des Rektors mitzuwirken, welches Recht ihm vom Presbyterium bestritten wurde. Der Proze\u00df dauerte von 1852 bis 1854 und wurde zugunsten der Stadtbeh\u00f6rde entschieden. Infolgedessen wurde zwischen Magistrat und Presbyterium der lutherischen Gemeinde ein Vertrag geschlossen, wodurch die 3. Pfarrstelle der hiesigen gr\u00f6\u00dferen evangelischen Gemeinde von der Rektorstelle g\u00e4nzlich und f\u00fcr immer getrennt wurde. Am 18. 2. 1857 wurde der Vertrag vom Kultusminister genehmigt. Der letzte Inhaber der vereinigten 3. Pfarr- und Rektorstelle war der am 6. 2. 1853 verstorbene Pfarrer Wehberg gewesen. Damit h\u00f6rte nun die seit 1554 bestehende, also 300 Jahre alte, enge Verbindung von Kirche und Schule auf. Ostern 1857 trat die von der Stadt errichtete h\u00f6here Stadtschule, im Volksmunde Rek-toratsschule genannt, ins Leben.<\/p>\n<p>Die interimistische Leitung wurde durch Verf\u00fcgung der Kgl. Re-gierung in Arnsberg vom 13. 3. 1857 dem Pfarramtskandidaten Noelle (Ergste) gegen j\u00e4hrliche Re-muneration von 450 Thlr. gegeben. Als Lehrer wirkte im Er\u00f6ffnungsjahr ab 1. 5. Lehrer H\u00f6velmann, der 43 Jahre treu gewirkt hat. Am 1. 10. kam dazu Dr. Theobald, der nach Noelles Abgang (1. 7. 1857) die Anstalt leitete bis 1865. Ihm folgte als Rektor Dr. Cohn, der seit 1862 an der Anstalt t\u00e4tig gewesen war. Der Religionsunterricht lag in H\u00e4nden von Pfarrer Sch\u00fctte. Die Sch\u00fclerzahl betrug im ersten Jahr 25 Einheimische, 11 Kirchspielangeh\u00f6rige, 9 Ausw\u00e4rtige gleich 45, das Schulgeld pro Semester 6, 9 bzw. 12 Thlr. Der Schuletat mu\u00df den Neid aller heutigen Stadtv\u00e4ter erregen, denn die Einnahme vom 1. 5. bis 31. 12. betrug 786 Thlr. 18 Sgr. (darunter an Schulgeld 714 Thlr.), die Aus-gaben 715 Thlr. 14 Sgr. 11 Pf., so da\u00df ein Bestand von 71 Thlr. 3 Sgr. 1 Pf. blieb. Die Schule, an-fangs drei Klassen, entwickelte sich zun\u00e4chst sehr erfreulich. Ein im Stadtarchiv vorhandener Revi-sionsbericht des Schulrats Buschmann vom 10. 2. 1860 \u00e4u\u00dfert sich sehr anerkennend \u00fcber Leistun-gen der Schule und \u00fcber die Treue und T\u00fcchtigkeit der Lehrer. In den folgenden Jahren hob sich die Zahl langsam aber stetig und erreichte 1875 und 1880 ihren H\u00f6chststand mit 81. Seit 1862 war die Schule in dem 1859 bis 1861 f\u00fcr sie erbauten Geb\u00e4ude an der Ostenstra\u00dfe (der sp\u00e4teren h\u00f6heren M\u00e4dchenschule) untergebracht. Am 16. 7. 1860 wurde eine vierte Lehrerstelle genehmigt.<br \/>\nEinen schlimmen Wendepunkt f\u00fcr die Schule bedeutete der Tod des Pfarrers Niepmann am 24. 12. 1882. 55 Jahre lang hatte er als Seelsorger gewirkt in seiner reformierten Gemeinde und die Rekto-ratschule verlor in ihm nicht nur einen Lehrer, sondern auch einen einflu\u00dfreichen Freund und G\u00f6n-ner. Seit seinem Heimgang sank die Sch\u00fclerzahl best\u00e4ndig: 1882 = 65, 1883 = 45, 1884 = 27, 1885 = 33, 1888 = 25; und das bei einer Einwohnerzahl von fast 6000. Unter diesen Umst\u00e4nden legte der Leiter Dr. Cohn sein Amt nieder und verlie\u00df Schwerte. Voll Erwartung sah man in der B\u00fcrgerschaft der Wahl des neuen Rektors entgegen, umso mehr, da sich nicht weniger als 166 Bewerber gemeldet hatten; eine Zahl, die sich nur aus der damals geradezu trostlosen Aussicht auf eine Anstellung im h\u00f6heren Schuldienst erkl\u00e4rt. Von den f\u00fcnf Bewerbern, die in die engere Wahl kamen, wurde am 22. 11. 1886 Dr. Renz aus Hohenlimburg gew\u00e4hlt. Die auf den neuen Leiter gesetzten Hoffnungen wurden gl\u00e4nzend erf\u00fcllt. Unterst\u00fctzt durch die damalige schnelle Entwicklung der Stadt infolge der Verlegung von Industrieunternehmungen bl\u00fchte die Schule kr\u00e4ftig auf. 1887\/88 hatte Dr. Renz mit 50 Sch\u00fclern begonnen. 1893 waren es schon 107. Eine 5. Klasse wurde eingerichtet.<\/p>\n<p>Am 5. 3. 1898 erfolgte der Beschlu\u00df der Stadtverordneten, aus der nichtberechtigten eine berechtigte Anstalt zu machen, und zwar ein Progymnasium mit wahlfreiem Englisch. Ostern 1900 wurde die Umwand-lung vorgenommen. Am 26. 4. 1900 fand die Er\u00f6ffnungsfeier des neuen Progymnasiums statt. Es z\u00e4hlte 6 Klassen mit 120 Sch\u00fclern. Ostern 1901 fand die erste Reifepr\u00fcfung statt, bei der alle f\u00fcnf Sch\u00fcler das Zeugnis der Reife f\u00fcr Obersekunda erhielten und damit das \u201eEinj\u00e4hrige&#8220;. Fast 40 Jahre blieb die Schule in dem Geb\u00e4ude an der Ostenstra\u00dfe. Als der Platz zu eng wurde, mu\u00dften R\u00e4ume im Alten Rathaus belegt werden. Da man mit weiterem Wachsen der Sch\u00fclerzahl rechnen musste, ent-schlo\u00df man sich zu einem Neubau. Am 18. 2. 1902 wurde der Neubau am \u201eSteinernen Kreuz&#8220; ein-geweiht. Die Sch\u00fclerzahl wuchs ununterbrochen und \u00fcberschritt 1914\/15 zum erstenmal 200, betrug 1924 schon 343. Von 1912 ab fand die Umwandlung in ein Realgymnasium statt, weil zu wenige Sch\u00fcler am Griechischen Freude fanden. Unter dem Nachfolger von Dr. Renz, Studiendirektor Ru-dolf Loescher, erfolgte der Ausbau zur Vollanstalt und 1924 fand die erste Reifepr\u00fcfung statt, bei der s\u00e4mtliche Sch\u00fcler bestanden. Im neuen Schuljahr 1924\/25 mu\u00dften zwei Sexten eingerichtet werden. Wieder wurde der Platz zu eng, zumal infolge der Arbeitslosigkeit die Sch\u00fcler kaum in ei-nem praktischen Beruf unterkommen konnten.<\/p>\n<p>Es wurde angebaut, wodurch die Schule zugleich zu einem l\u00e4ngst notwendigen Zeichensaal kam, zu dem bisher die Aula hatte herhalten m\u00fcssen. Jeder verwendbare Raum wurde in ein Klassenzimmer verwandelt. Die Unterrichtsr\u00e4ume f\u00fcr den natur-wissenschaftlichen Unterricht wurden eingerichtet, die noch r\u00fcckst\u00e4ndigen Sammlungen daf\u00fcr auf einen den Anforderungen der Zeit entsprechenden Stand gebracht. Die B\u00fccherei wuchs bei den reichlichen Mitteln und f\u00fcllte bald zwei Zimmer bis zur Decke. Die Turnhalle erhielt statt des Ze-mentfu\u00dfbodens einen Parkettbelag und eine zeitgem\u00e4\u00dfe Ausr\u00fcstung an Ger\u00e4ten. F\u00fcr jeden Lehrer, der in dieser Zeit des Aufschwungs, des Wachsens nach jeder Richtung, an der Schule t\u00e4tig war, wird sie als die sch\u00f6nste Zeit seiner T\u00e4tigkeit in der Erinnerung bleiben. Diese Freude am Aufbauen kam der Stadt zugute, denn mancher von den Lehrern stellte seine Arbeit auch au\u00dferhalb der Schule in den Dienst der Stadt. So bekam Scherte seinen Madrigalchor, den jetzigen St\u00e4dtischen Chor. Im \u201eReiche des Wassers&#8220; entstanden zwei sch\u00f6ne Tennispl\u00e4tze, die zum Tummelplatz der sportfreudi-gen Jugend wurden und im Winter eine herrliche Eisbahn abgaben. Die Bestrebung des Heimatver-eins fand bei manchem Lehrer tatkr\u00e4ftige Unterst\u00fctzung. Die Sch\u00fcler der oberen Klassen halfen mit bei der Sammlung der Flurnamen der Gemarkung Schwerte. Ein Primaner legte eine nach jeder Richtung hin vollst\u00e4ndige Wetterkarte von Schwerte an.<br \/>\nDiese nat\u00fcrliche Entwicklung machte nach 1933 einer verkrampften Einengung Platz. Die Unter-richtsziele wurden immer mehr verschoben. St\u00e4ndige St\u00f6rungen machten einen gedeihlichen Unter-richt unm\u00f6glich. Reibungen zwischen Lehrern und Sch\u00fclern als Vertreter der neuen Jugend tr\u00fcbten das sonst gute Verh\u00e4ltnis. Der Direktor, der seit 1920 den Geist der Anstalt in starkem Ma\u00dfe be-stimmt hatte, wurde ein Opfer eines neuen Beamtengesetzes. Der Krieg vollendete das Werk der Aufl\u00f6sung. Die oberen Klassen verschwanden immer mehr. In den Angriffen der feindlichen Flieger erstarb schlie\u00dflich das Leben der Schule. Geb\u00e4ude und Einrichtungen waren bis jetzt fast ganz er-halten geblieben; aber eine gedankenlose Anordnung von irgendeiner Stelle im Rathaus vernichtete, was im Laufe der Jahre und Jahrzehnte aufgebaut worden war: Ein langer Zug von Fremdarbeitern wurde am letzten Tage des Krieges im Geb\u00e4ude einquartiert und nach dem Zusammenbruch gingen Schr\u00e4nke, B\u00e4nke, T\u00fcren, B\u00fccherei, Karten in den Kochfeuern der Vertreter \u00f6stlicher Kulturen zu Grunde. Die reichhaltigen Sammlungen wurden sinnlos zerst\u00f6rt oder verschleppt. Nach dem Abzug der Fremdarbeiter hielten Italiener ihren Einzug und verhinderten die Lehrer, zu retten, was noch zu retten war. Als sie endlich nach dem sonnigen S\u00fcden verschwanden, blieb uns buchst\u00e4blich nichts als die leeren W\u00e4nde, bemalt mit den Ausw\u00fcchsen s\u00fcdl\u00e4ndischer Phantasie.<br \/>\nLeider konnte auch jetzt noch nicht an Aufbau gedacht werden. Auf Befehl der Milit\u00e4rregierung blieben die Schulen geschlossen. Suspendierung und schlie\u00dflich Entlassung der Lehrer, soweit sie sich nicht passiv verhalten hatten, folgten. Anfang M\u00e4rz 1946 endlich wurde der Unterricht in den R\u00e4umen einer Volksschule wieder er\u00f6ffnet: bei der geringen Zahl der Lehrer und Zimmer vorl\u00e4ufig nur in den zwei unteren Klassen zweimal in der Woche. Die Hauptarbeit lag in den beiden Klassen des F\u00f6rderkursus, in dem die von der Wehrmacht zur\u00fcckkehrenden Sch\u00fcler auf ihre Reifepr\u00fcfung vorbereitet werden sollten.<br \/>\nWie vor Jahrhunderten mal das Dortmunder Archigymnasium in Schwerte Unterkunft gefunden hatte, so bot Schwerte den Dortmundern auch 1946 und 1947 Gastrecht, da es den Dortmunder Schulen noch schlimmer ging und sie ihre Pforten noch nicht wieder ge\u00f6ffnet hatten. Am 20. Juli 1946 fand die erste Reifepr\u00fcfung nach dem Kriege in den notd\u00fcrftig wieder hergestellten R\u00e4umen des alten Heimes statt. Mittlerweile waren alle entnazifizierten Lehrer einer nach dem andern in ihr Amt zur\u00fcckgekehrt. So konnte der Unterricht nach und nach verst\u00e4rkt und in allen Klassen wieder voll unterrichtet werden. So w\u00e4ren wir gl\u00fccklich wieder dort angelangt, wo wir vor vielen Jahren aufgeh\u00f6rt hatten.<br \/>\nUniversit\u00e4ten und h\u00f6here Schulen sollten der Mittelpunkt des kulturellen Lebens einer Stadt sein. Dazu bedarf es einer gr\u00f6\u00dferen mithelfenden Gemeinschaft. Die Dortmunder Schulen haben ihre Abiturientenvereinigungen und fahren gut dabei. Es w\u00e4re sch\u00f6n, gerade in dieser Notzeit, wenn solch eine Gemeinschaft, die vor etwa 20 Jahren auch in Schwerte kurze Zeit bestanden hat, zum Segen der Schule und der Stadt wieder erst\u00fcnde und eine bleibende Einrichtung w\u00fcrde.<br \/>\nM\u00f6ge Einsicht und Tatkraft sich vereinigen, unserer Schule wieder die Stellung zu verschaffen, die sie im Kulturleben der Stadt einnehmen sollte.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Geschrieben von Studienrat W. Klaus , 1948 Die Schule des Mittelalters, die Klosterschule, war in den St\u00fcrmen der Reformation zugrunde ge-gangen und in den meisten F\u00e4llen &#8218;gleichzeitig mit den Kl\u00f6stern verschwunden. 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